Der Osteopathische Arzt ist ein approbierter Arzt

Der Osteopathische Arzt besitzt eine Approbation mit oder ohne medizinische Spezialisierung. Zusätzlich zur Qualifikation als Arzt wurde eine akademische Fortbildung von mindestens 700 Stunden absolviert, um das vom EROP entwickelte und zertifizierte Diplom in Osteopathischer Medizin zu erwerben. Alle EROP-Mitgliedsgesellschaften bieten diesem Standard entsprechende Ausbildungen an und können auf Antrag das EROP-Diplom für ihre Mitglieder ausstellen lassen.

Nach Erhalt des Diploms erfolgt die kontinuierliche Fortbildung in Osteopathischer Medizin nach den Kriterien der jeweiligen Mitgliedsgesellschaft und ist dort nachzuweisen. Alle Mitglieder der im EROP registrierten Gesellschaften erfüllen die Mindestvoraussetzungen, die im Rahmen der EROP-Zertifizierung definiert wurden. 

Die Ausbildung nach diesen Kriterien gewährleistet eine sichere und qualifizierte Diagnostik und Behandlung.

Der Osteopathische Arzt wird im Rahmen einer Evaluierung des Gesundheitszustandes der Patienten entscheiden, ob und wie weit osteopathische Techniken zur Anwendung kommen können. Dank einer fundierten medizinischen Ausbildung können vorliegende Labor-, Röntgen-, CT- oder MRT-Befunde beurteilt und bei der Anamnese berücksichtigt werden. Außerdem ist er in der Lage, Symptome einer schwerwiegenden Erkrankung zu erkennen. 

Als Arzt wird er immer auch die medizinischen Grundlagen beachten und, falls erforderlich, auch andere Fachärzte zur Behandlung hinzuziehen.

In vielen Fällen wird Osteopathie unterstützend und begleitend eingesetzt.

Das Ziel der osteopathischen Behandlungen ist unter anderem die Beseitigung von Funktionsstörungen und die Aktivierung von körpereigenen Selbstheilungskräften zur Verbesserung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit (Salutogenese). Zur Realisierung der Behandlungsstrategie werden im Rahmen der osteopathischen Therapie die individuell bestmöglichen Behandlungstechniken in der jeweils notwendigen Reizstärke und deren Kombination angewandt. Behandlungsdauer, -frequenz und -häufigkeit hängen von den individuellen Beschwerden und dem Ansprechen auf die Behandlung ab. 

Doctor of Osteopathy (D.O.) in den USA

    • Der Osteopathische Arzt hat das „Doctor of Osteopathy“(D.O.)-Programm an einer national anerkannten Osteopathischen Medizinischen Hochschule absolviert (College of Osteopathic Medicine).
    • Der Osteopathische Arzt hat erfolgreich das „National Board“-Examen in den USA absolviert.
    • Der Osteopathische Arzt hat eine uneingeschränkte Lizenz, um in den USA Medizin auszuüben („Vollapprobation“).

Osteopathischer Arzt außerhalb der USA, z.B. Europa

    • Der Osteopathische Arzt hat einen Hochschulabschluss als Arzt an einer national anerkannten medizinischen Hochschule. Dies beinhaltet z.B. in Deutschland ein mindestens 6-jähriges Hochschulstudium mit ca. 6000 Stunden und führt zu einer Approbation als Arzt.
    • Der Osteopathische Arzt hat eine Approbation und darf nach den nationalen Gesetzen in seinem Grundberuf ärztlich praktizieren.
    • Der Osteopathische Arzt hat eine Weiter-/Fortbildung in Osteopathischer Medizin (OM) von mindestens 700 Stunden erfolgreich absolviert (Abschluss mit Diplom der Fachgesellschaft) bzw. einen Bachelor oder Master an einer nach den Bologna Kriterien anerkannten Hochschule erworben. Dieses Programm muss von einer osteopathischen medizinischen Fachgesellschaft unterrichtet oder lizenziert werden.
    • Der Osteopathische Arzt muss erfolgreich eine schriftliche, mündliche und praktische Prüfung zum Abschluss seiner Weiter-/Fortbildung bei der ausbildenden Fachgesellschaft ablegen.
    • Die Weiter-/Fortbildung in OM kann berufsbegleitend zur Facharztausbildung stattfinden.

Der Ausbildungsstandard in OM erfordert Kenntnisse und praktische Fähigkeiten in allen Bereichen der Osteopathie.

Der Osteopathische Arzt ergänzt und erweitert das etablierte Medizinsystem im Kontext einer integrierten Patientenversorgung. Er bemüht sich um eine sowohl evidenzbasierte als auch patientenzentrierte Medizin.

Die osteopathische Ausbildung muss mindestens folgende Inhalte umfassen:

a. Geschichte der Osteopathie
b. Philosophie und Grundprinzipien der Osteopathie
c. Osteopathische Palpation und strukturierte Untersuchung
d. Osteopathische Nomenklatur
e. Osteopathische Somatische Dysfunktion
f. Barriere-Konzept in der Osteopathie
g. Theorie und Praxis in osteopathischen Behandlungstechniken. Diese beinhalten unter anderem:
– Strain/Counterstrain Behandlungen
– Muscle-Energy Techniken
– Myofascial Release Techniken
– High Velocity – Low Amplitude Technik
– Osteopathische Behandlungen im Bereich des Schädels (Osteopathy in the cranial field)

h. Osteopathisches Krankheitsmanagement
i. Gesundheitsstrategie in der Osteopathie
j. Osteopathische Forschung

4.1. Medizinische Kenntnisse:
Von Osteopathischen Ärzten wird erwartet, dass sie über Kenntnisse der allgemein anerkannten Standards in der Medizin verfügen und diese anwenden können. Dies betrifft auch die jeweiligen Spezialgebiete der Medizin. Sie sollen sich auf dem aktuellen Stand der neuen Entwicklungen in der Medizin und Wissenschaft halten und am lebenslangen Lernen teilhaben. Sie sollen ein Verständnis für die osteopathischen Prinzipien sowie die diagnostischen und therapeutischen Konzepte haben. 

Von Osteopathischen Ärzten wird erwartet, dass sie über Kenntnisse der akzeptierten Standards der Osteopathischen Manuellen Therapie (OMT) verfügen und diese auch entsprechend ihrem beruflichen Spezialgebiet anwenden können. Sie sollen sich einem lebenslangen Lernen und Entwickeln ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten in OMT unterziehen. Diese Prinzipien sollen kritisch und kontinuierlich in der Patientenversorgung angewendet werden.

4.2. Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Osteopathischer Arzt sind im Detail:
4.2.1. ein umfassendes Verstehen der Prinzipien und Konzepte der Osteopathie mit einem Verständnis dafür, wie diese einen rationalen medizinischen und osteopathischen Entscheidungsprozess beeinflussen und leiten
4.2.2. ein Verständnis dafür, wie osteopathische Prinzipien sich auswirken und in einer integrierten Patientenversorgung angewendet werden und wie solche Prinzipien für die Bedürfnisse des Patienten ausgewählt und modifiziert werden
4.2.3. eine kritische Beurteilung des hoch entwickelten Palpationssinnes, der bei der Untersuchung und Behandlung der Patienten erforderlich ist
4.2.4. die Fähigkeit, lokale Befunde zu analysieren und die Ergebnisse der Untersuchung mit den vernetzten Funktionen aller Körpersysteme zu verbinden
4.2.5 die Fähigkeit, die medizinischen und osteopathischen Konzepte kritisch zum Wohl des Patienten zu integrieren

Osteopathische Ärzte müssen interpersonale und kommunikative Fähigkeiten aufweisen, die es ihnen ermöglichen, eine professionelle Beziehung zu Patienten, deren Familien und zu anderen Gesundheitsberufen zu etablieren. 

Osteopathische Ärzte müssen über Folgendes verfügen:
5.1. die Fähigkeit, die eigenen professionellen Stärken und Grenzen zu reflektieren und an diesen durch Persönlichkeitsentwicklung einschließlich kontinuierlicher beruflicher Weiterbildung zu arbeiten

5.2. Fähigkeiten im Problemdenken und Problemlösen, um alle Patientendaten im Hinblick auf praxisbezogene Schlussfolgerungen und Entscheidungsprozesse richtig zu interpretieren

5.3. die Fähigkeit, bei der Interaktion mit Patienten geeignete Strategien zur physischen und psychologischen Selbstvorsorge zu entwickeln, um die eigene Gesundheit zu erhalten

Osteopathische Ärzte müssen eine effektive Behandlung von Patienten demonstrieren können. Sie wenden eine medizinische Versorgung an, die verschiedene Elemente einfließen lässt: medizinisches und osteopathisches Wissen und Können, Empathie, das Wahrnehmen von Verhaltensmustern sowie die Integration präventiver Medizin und allgemeiner Gesundheitsvorsorge. 

Osteopathische Ärzte müssen konkret Folgendes vorweisen können:
6.1. die Fähigkeit zu analysieren, welche ursächlichen Pathologien das aktuelle Problem oder die Beschwerden des Patienten maskieren können

6.2. Grundkenntnisse in humaner Psychologie und Soziologie, die für einen klinischen Entscheidungsprozess und das Patientenmanagement ausreichend sind

6.3. fortgeschrittene Kenntnisse der palpatorischen Charakteristiken eines normalen und dysfunktionellen Gewebes in verschiedenen Körpersystemen

6.4. einen gut entwickelten Palpationssinn zur effektiven Anwendung in der Diagnose, der Behandlung und dem Monitoren von Veränderungen während und nach der Behandlung

6.5. eine breite und durchdachte Vielfalt an osteopathischen Techniken, um bei einem individuellen Patienten das dysfunktionelle Gewebe zu verbessern und die Gesundheit wiederherzustellen

6.6. einen klaren und kritischen Behandlungsplan für den gesamten Patienten im Verständnis einer integrierten Patientenversorgung. Dies erfordert ein kontinuierliches Patientenmanagement im medizinischen, osteopathischen, psychologischen und sozialen Bereich.  

6.7. Beratung und Expertise in Belangen der präventiven medizinischen und osteopathischen Strategien, um die Gesundheit zu verbessern und zu erhalten

Osteopathische Ärzte müssen sich um vertrauensvolle Partnerschaft mit dem Patienten bemühen. Sie unterstützen und verteidigen das Patientenwohl, die Einhaltung ethischer Prinzipien, lebenslanges Lernen und Sensitivität für die Verschiedenartigkeit der Individuen. Osteopathische Ärztinnen und Ärzte sollten sich ihrer eigenen physischen, mentalen und psychologischen Gesundheit bewusst sein, um sich effektiv um die Patienten kümmern zu können.

Osteopathische Ärzte müssen Folgendes demonstrieren können:
7.1. einen empathischen Zugang zum Patienten, der die private Sphäre und Würde respektiert und jeden Patienten als ein Individuum betrachtet

7.2. die Fähigkeit eines professionellen Umganges mit dem Patienten in inkompatiblen Situationen 

7.3. die Fähigkeit, mit klinischen Unsicherheiten umzugehen, sodass ein effektives Patientenmanagement möglich ist und um sicherzustellen, dass der Patient eine qualitativ hochwertige Versorgung erhält sowie in geeigneter Weise über seinen aktuellen Status und Behandlungsalternativen informiert wird

7.4. die Fähigkeit und Selbsterkenntnis, die notwendig ist, um klinische Herausforderungen zu meistern, die durch ungewöhnliche Umstände oder Umgebungsfaktoren ausgelöst werden

7.5. die Wahrnehmung der Wichtigkeit eines eigenen hohen Levels an physischer, mentaler und psychologischer Gesundheit, um klinische Effektivität zu erreichen und um die Patientensicherheit zu garantieren

7.6. die Wertschätzung des Arzt-Patienten-Geheimnisses. Dies bedeutet, dass der Arzt nur nach Information und Zustimmung des Patienten handelt in Übereinstimmung mit dem internationalen medizinischen Ethik-Code.

Osteopathische Ärzte müssen über die Fähigkeit verfügen, ihre Methoden der praxisbezogenen Anwendung kritisch zu überprüfen. Sie müssen die evidenzbasierte Medizin in die Patientenversorgung integrieren und zeigen, dass sie wissenschaftliche Methoden verstehen. Gleichzeitig müssen sie sich auf die patientenzentrierte Sichtweise der Osteopathie fokussieren.

Osteopathische Ärzte müssen über Folgendes verfügen:
8.1. die Fähigkeit einer kritischen Beurteilung von wissenschaftlichen Arbeiten und anderen Ergebnissen, die die Effektivität und Anwendung osteopathischer Interventionen betreffen oder auch die therapeutischen Ansprüche anderer Gesundheitsberufe

8.2. die Fähigkeit, eine humanbasierte Medizin zu entwickeln, die sowohl auf eine evidenzinformierte als auch auf eine patientenzentrierte Sichtweise der Medizin achtet

8.3. die Fähigkeit, auf Informationen, Daten und Körperreaktionen zu achten und diese durch verbale und nonverbale Mittel zu integrieren

8.4. die Fähigkeit vollständige, lesbare und zuverlässige Aufzeichnungen anzufertigen im Hinblick auf die Patientenuntersuchung, die Behandlung und den Krankheitsverlauf

Osteopathische Ärzte müssen die Struktur der Gesundheitsversorgungssysteme kennen, innerhalb der Systeme eine effektive und qualitativ hochwertige Patientenversorgung anbieten sowie Kosteneffektivität und nachhaltige Medizin praktizieren. 

Osteopathische Ärzte müssen Folgendes beherrschen:
9.1. das Erkennen der eigenen Fachkompetenz und die Notwendigkeit, Patienten nur innerhalb der eigenen Grenzen und des eigenen Grads der Kompetenz zu behandeln

9.2. die Würdigung des komplementären Ansatzes der osteopathischen Medizin innerhalb des gesamten Gesundheitssystems in Kombination mit anderen komplementären oder alternativen Methoden

9.3. die Fähigkeit, osteopathische Medizin sicher, kompetent und im gesetzlichen Rahmen auszuüben 

9.4. die Fähigkeit, die Kosteneffektivität von medizinischen und osteopathischen Diagnosen und Behandlungen kritisch zu beurteilen

9.5. die Fähigkeit, mit externen Personen oder Organisationen respektvoll zusammenzuarbeiten, einschließlich anderer Gesundheitsberufe und öffentlicher Gesundheitsorganisationen, im Interesse der Patientenversorgung und Sicherheit

9.6. die Fähigkeit, sich für eine nachhaltige gesundheitliche Versorgung einzusetzen, das Engagement für eine gesunde Umwelt und ein nachhaltiges Praktizieren der Medizin

1. International Code of Medical Ethics of the World Medical Association 1949 (World Medical Association Bulletin, vol. 1, no. 3, October 1949, pp.109, 111).

2. Was ist seriöses Therapieren? (H. Kiene, H. Heimpel, Deutsches Ärzteblatt Jg. 107/Heft 12 26.03.10)

3. EROP Declaration for Osteopathy 

(Jolandos 2009, EROP website 2010: www.erop.org)

4. OIA Mission and Vision, (OIA website 2010: www.oialliance.org )

5. 7 Core Competencies of the AOA, (AOA web site 2010: www.osteopathic.org)

6. General Osteopathic Council: Osteopathic Practice Standards, (GOSC website 2010: www.osteopathy.org.uk)